Information: Wölfe und Luchse

Verbreitung, Lebensraum und Schutzstatus in Deutschland

Seit dem Jahr 2000 leben wieder Wölfe in Deutschland. War der Nachweis des ersten Rudels in Sachsen noch eine Sensation, hat sich der Umgang mit dem neuen Nachbarn vielerorts normalisiert. Mittlerweile leben etwa 40 Wolfsfamilien in Deutschlands freier Natur. Wölfe sind sehr anpassungsfähig und bewohnen die unterschiedlichsten Gegenden, von den arktischen Tundren bis zu den Wüsten Nordamerikas und Zentralasiens. Die meisten Wölfe leben allerdings in Grasland oder Wäldern. Einst war der Wolf eines der am weitesten verbreiteten Säugetierarten der Welt. Heute ist er aus vielen Regionen, so auch aus weiten Teilen Europas völlig verschwunden. Erst seit etwa 30 Jahren erholt sich der Bestand dank strengem Schutz langsam wieder. Wölfe sind sowohl durch das Washingtoner Artenschutzabkommen sowie die Berner Konvention geschützt. Als EU-Mitgliedsstaat verpflichtet sich Deutschland, die sogenannte Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) umzusetzen und das Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 zu etablieren. Der Wolf ist über den Anhang IV der FFH-RL besonders geschützt. Deutschland ist dadurch verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass Wölfe langfristig einen lebensfähigen Bestand aufbauen können. Die Umsetzung der europäischen Vorgaben erfolgt in Deutschland über das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG). Wölfe sind im gesamten Bundesgebiet über § 44 BNatSchG streng geschützt. Aus wissenschaftlichen Auswertungen weiß man, dass sich Wölfe in Deutschland zu über 99% von Rehen, Rotwild, Wildschweinen, Hasen, Mufflons und nur in seltenen Fällen (0,8%) von erreichbaren Nutztieren wie z.B. Schafen ernähren.

Weitere Informationen zum Wolf in Deutschland:
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/index.html
 FAQ: Wölfe in Deutschland - Die wichtigsten Fragen und Antworten:
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html
Schützen Sie die Wölfe. Helfen auch Sie – damit Wolfsfamilien bei uns überleben können:
https://www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/spenden/wolf.html


Der Luchs ist hauptsächlich nacht- und dämmerungsaktiv. Die Katzen sind ausgesprochene Einzelgänger und streifen alleine durch ihr Revier. Lediglich zur Paarungszeit im Februar und im März suchen sie sich einen Partner. Im Mai oder im Juni bringt das Weibchen 1 bis 4 Junge zur Welt, die bis zum nächsten Frühjahr bei der Mutter bleiben. Die Überlebensrate der Jungtiere ist klein, nur die Hälfte der Luchse überleben das erste Lebensjahr. Zu ihren Beutetieren zählen alle im Lebensraum vorkommenden kleinen und mittelgroßen Säugetiere und Vögel. In Mitteleuropa machen Rehe den weit überwiegenden Teil der Nahrung aus. Die Jagd erfolgt nach typischer Katzenart: Anschleichen mit anschließendem Sprung oder Sprint. Von ihren Beutetieren lassen sie so gut wie nichts übrig. Lediglich größere Knochen und Teile des Verdauungstraktes werden nicht verwertet.
Dem Menschen gegenüber wird der sehr scheue Luchs entgegen aller Vorurteile nicht gefährlich!
Der Schutzstatus entspricht ungefähr dem des Wolfes. Er fällt unter Anhang III der Berner Konvention von 1979. Diese soll den Schutz empfindlicher und gefährdeter Arten einschließlich wandernder Arten und ihrer Lebensräume gewährleisten. Die "geschützten Tiere" des Anhang III dürfen nur in einem Umfang bejagt oder genutzt werden, der ihren Bestand nicht gefährdet. In Deutschland gehört der Luchs gehört zu den streng geschützten Arten gemäß §7 BNatschG, er ist auf der Roten Liste unter „stark gefährdet“ geführt. Er untersteht, anders als der Wolf, dem Jagdrecht, allerdings mit einer ganzjährigen Schonzeit. Die Luchse in Deutschland sind vor allem durch illegalen Abschuss und den Straßenverkehr gefährdet. Illegaler Abschuss entspricht Wilderei und wird streng bestraft. Leider werden die Schützen nur selten gefasst. Der NABU fordert seit langem eine Sonderkommission Artenschutz und illegale Abschüsse/ Tötungen.
Weitere Informationen zum Luchs in Deutschland:
https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/luchs/index.html
Unterstützen Sie das NABU-Luchsprojekt in Thüringen mit Spenden:
https://www.nabu.de/spenden-und-mitmachen/spenden/26376.html


Information: Wölfe und Luchse in Baden-Württemberg

1866 waren die Wölfe in Baden-Württemberg ausgerottet. Zwischenzeitlich wurden auch in Baden-Württemberg wieder einzelne Wölfe gesichtet: Zwei wurden leider auf Autobahnen überfahren (bei Lahr/ Offenburg und bei Merklingen/ Schwäbische Alb), ein weiterer wurden lebendig im Raum Baar bei Villingen-Schwenningen/ Tuttlingen gesichtet, einer erschossen aus dem Schluchsee geborgen. Im Schwarzwald gibt es immer wieder Fotofallenbilder und DNA-Spuren von Rissen, sowie mehrere residente Wölfe. Es handelt sich meistens um Männchen, die auf der Suche nach einem Partner weite Strecken –meist völlig unbemerkt- zurücklegen. Aus der Besenderung einzelner Wölfe oder der genetischen Untersuchung der toten Wölfe weiß man, dass Wölfe sehr weit laufen können: bis zu 75km am Tag oder 1500 km in wenigen Monaten. Die beiden überfahrenen Wölfe in Baden-Württemberg waren Brüder und stammten aus dem Calanda-Rudel in der Schweiz. Sie waren bis zu ihrem Tod nicht aufgefallen und haben keine nachweislichen Nutztierschäden verursacht. Inzwischen hat auch ein Weibchen (Fähe) den Schwarzwald erreicht und sich mit einem dortigen Rüden verpaart. Der einzige bekannte, daraus entstandene Welpe (1. Fotofallenbild stammt von Juli 2023) ist jedoch bereits im Dezember 2023 überfahren worden. In vielen Landesteilen in Baden-Württemberg gibt es genug Nahrung, vor allem Rehe, Wildschweine und Rotwild, sowie Rückzugsräume wie Wälder für die Aufzucht von Welpen. Ein Wolfsrudel beansprucht ein Territorium von etwa 200 Quadratkilometern (die Größe orientiert sich am Nahrungsangebot) und duldet darin auch keine weiteren Wölfe. Eine Überpopulation in der Natur ist daher ausgeschlossen. Der größte Feind ist weiterhin der Autoverkehr und illegale Abschüsse. Möchten Sie wissen, wo bereits Wölfe in Baden-Württemberg entdeckt wurden und wo sie dauerhaft leben? Das Land Baden-Württemberg führt regelmäßig genetische Analysen von Rissabstrichen, Kot- und Urinproben durch und bewertet Fotos von Wildtierkameras. Die aktuellsten Informationen zu den Wolfsnachweisen finden Sie unter
https://um.baden-wuerttemberg.de/de/umwelt-natur/biologische-vielfalt-und-mensch/artenschutz-und-management/wolf/nachweise
Weitere Infos zum Wolf in Baden-Württemberg:
https://baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/index.html

Der Luchs ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Baden-Württemberg ausgestorben. Auf leisen Sohlen wandern seit den 1980er-Jahren immer wieder einzelne Luchse vor allem aus der Schweiz nach Baden-Württemberg ein. Bis heute sind 14 verschiedene männliche Luchse (Kuder) bekannt. Der Zuzug weiblicher Luchse (Katzen) blieb bisher aus und ist auf absehbare Zeit nicht zu erwarten, da die Katzen in der Regel in der Nähe ihres Geburtsortes bleiben. Populationsökologische Studien zeigen, dass nur mit einer aktiven Ansiedlung von weiblichen Luchsen die Überlebenschancen für den Luchs in Baden-Württemberg sowie für die zu kleinen angrenzenden Populationen im Schweizer Jura, Pfälzerwald und den Vogesen gesichert werden können. Deshalb wurde im Koalitionsvertrag eine Bestandsstützung vereinbart, die mit der Auswilderung von Luchsen beginnend ab Herbst 2023 in Baden-Württemberg umgesetzt werden wird. (Quelle: Pressemitteilung des Landes Baden-Württemberg, 03.03.23)
Weitere Informationen zum Luchs in Baden-Württemberg:
https://baden-wuerttemberg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/luchs/index.html


Fazit: Die Frage, ob Wölfe und Luchse in Deutschland und Baden-Württemberg dauerhaft überleben, ist keine Frage von Biologie und Ökologie, sondern, ob der Mensch bereit ist, mit Wolf und Luchs zu leben. Es geht um Vorurteile, Sorgen und Ängste – um die sich der NABU kümmert. Dazu gibt der NABU viele Informationen an die Öffentlichkeit weiter, bietet Vorträge bei Gruppen, Kirchen und Vereinen an, organisiert Veranstaltungen, Besuche von Volkshochschulen, Schulen und Kindergärten an und informiert auf seinen Internetseiten, in Broschüren und an Informationsständen. Im Landesverband Baden-Württemberg gibt es dazu eine Artenschutzreferentin und im ganzen Land mehrere ehrenamtliche Referenten für Wolf und Luchs. Im Raum Münsingen / Schwäbische Alb ist Andrea Klemer die ehrenamtliche Referentin.